Verschenke Umarmungen an Freunde, Bekannte und Fremde.
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Samstag, 30. November 2013

Dortmund: Aller Anfang ist schwer


Nachdem ich zunächst im Dortmunder Verkehrschaos hängen blieb, schaffte ich es am späten Nachmittag dann doch irgendwann bis in die Innenstadt hinein. Und auch die anschließende Suche nach einem geeigneten Parkplatz gestaltete sich nicht gerade einfach. Zum Glück fand ich dann doch noch einen Platz in der Tiefgarage am Hauptbahnhof, wo ich mich ganz in Ruhe auf meinen bevorstehenden Einsatz als Hugs Bunny vorbereiten konnte. Als ich die Tiefgarage über die Treppenstufen eines kleinen Seiteneingangs verließ, da fühlte ich mich wie ein ängstliches Häschen, das ganz vorsichtig aus seinem Bau hervorlugte. Ja, ich hatte Angst und war ziemlich aufgeregt, aber gleichzeitig verspürte ich ein Gefühl von Freiheit. Es war die Freiheit, etwas zu tun, das gleichermaßen verrückt wie positiv ist. 

Vom Hauptbahnhof hoppelte ich geradewegs in die Dortmunder Innenstadt, wo mir unterwegs bereits etliche Menschen begegneten, die wissen wollten, was ich hier tue und warum ich in diesem sonderbaren Aufzug herumlaufe. Ich erklärte Ihnen, dass es meiner Ansicht nach zu wenig Liebe auf dieser Welt gibt und dass ich meinen kleinen bescheidenen Teil dazu beitragen möchte, etwas an dieser Situation zu ändern. Erst recht zur Weihnachtszeit.

Kaum hatte ich das obige Foto geschossen, sprachen mich auch schon diese beiden jungen Herren an und wollten ein Bild zusammen mit mir. Und natürlich wollten auch sie gerne wissen, warum ich ausgerechnet zur Weihnachtszeit als Hase verkleidet herumlaufe. Überhaupt war dies eine der am häufigsten gestellten Fragen:



"Was bitte hat denn der Osterhase auf dem Weihnachtsmarkt verloren?"

Ich erklärte den Menschen wieder und wieder, dass ich nicht der Osterhase, sondern der Hugs Bunny und im Gegensatz zum Osterhasen das ganze Jahr über unterwegs bin. Menschen benötigen nämlich das ganze Jahr über Umarmungen und Liebe, nicht nur um das Weihnachts- und das Osterfest herum. Natürlich nur, sofern sie diese Liebe auch annehmen möchten.

Diese drei netten Menschen auf dem rechten Bild zum Beispiel reagierten doch recht reserviert auf mein Angebot einer kostenlosen Umarmung. Sie wollten einfach nur ein Foto von sich selbst, aber keine Umarmung haben. Für mich ist das völlig ok, denn die Liebe lässt sich bekanntlich niemandem aufzwingen.
Dagegen wirkten diesen beiden Herren, Shehab und Hamdan aus Jordanien, schon deutlich aufgeschlossener. Sie wollten mich sehr gerne umarmen. Viel Glück und Erfolg bei deiner Facharztweiterbildung, Shehab!


Auf meinem Weg durch die Dortmunder Innenstadt traf ich auf viele nette Menschen, die mich umarmen wollten, so auch diese hier:

Den größten Spaß jedoch hatte ich mit der Truppe im unteren Bild, deren Mitglieder ganz offensichtlich bereits deutlich alkoholisiert waren. Ich dagegen war völlig nüchtern. Trotzdem hab ich aber jeden Unsinn mitgemacht. Merke: Es muss nicht immer Alkohol im Spiel sein, um total verrückte Dinge tun zu können.


Aber ich möchte hier nicht den Moralapostel raushängen lassen, denn das ist nicht meine Welt. Ich möchte weder ein Moralapostel, noch der Osterhase, sondern einfach nur The German Hugs Bunny sein. Auf jeden Fall hatte ich ganz viel Spaß in Dortmund, auch wenn nicht immer alles fröhlich zuging. 

Zwei Ereignisse stimmten mich nämlich äußerst nachdenklich. Das erste war ein Vater, der seinen kleinen Sohn von vielleicht gerade einmal 3 Jahren mit der linken Hand am Hals gegen eine Wand presste und ihn beschimpfte, er solle das lassen. Der Junge war extrem verängstigt, sah auch sonst recht blass aus und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Offensichtlich ging es dem Kleinen allgemein nicht sonderlich gut in der Obhut seines Vaters. Alles ging so schnell, ich war völlig überrascht von dieser Situation und dem brutalen Vorgehen des Vaters. Ich wusste nicht so recht wie ich darauf reagieren sollte. Einschreiten? Die Polizei rufen? Das alles hätte wahrscheinlich nicht sehr viel genutzt, aber schlecht fühlte ich mich trotzdem, einfach nichts getan zu haben. Ich nahm mir vor, beim nächsten Mal nicht wie erstarrt zuzuschauen, sondern zumindest heranzutreten und etwas zu sagen, auch auf die Gefahr hin, mich den Aggressionen des Vaters stellen zu müssen. Dieser kurze Moment machte mich im Nachhinein wirklich extrem traurig.

Der andere Moment war auf dem Weg zurück in Richtung meines Autos, als irgendjemand mir von hinten gegen den Oberschenkel schlug. Dieser Schlag tat ziemlich weh. Ich drehte mich um, aber hinter mir war nur ein älteres Pärchen, das nichts mitbekommen hatte. Ich erkannte aber, wie ein junger Mann ca. 3m von mir entfernt, inmitten der sich bewegenden Masse an Menschen auffällig unauffällig und fast schon angestrengt geradeaus schaute. Ich war nicht sicher, ob er es gewesen sein konnte und wollte niemanden zu Unrecht verdächtigen, also ging ich einfach weiter. Dennoch war ich stinkesauer, dass jemand mich so hinterrücks attackiert hatte, wo ich doch Gutes tun möchte. 

Diese Situation erinnerte mich auch gleich an die neueste "Freizeitbeschäftigung" jugendlicher Großstädter, und zwar das sogenannte "Knockout-Game", bei dem vollkommen ahnungslose Passanten aus dem Nichts heraus K.O. geschlagen werden. Wie hinterhältig und feige muss ein Mensch sein, so etwas zu tun? Und wie wenig muss dieser Mensch sich selbst lieben, dass er glaubt mittels solcher Taten seinen "Mitstreitern" den eigenen Wert beweisen zu können?


Alles in allem habe ich dennoch überwiegend positive Erinnerungen an Dortmund. Und ich habe festgestellt, dass auch die rot-weiße Maskerade nicht so ganz zu meinem allgemeinen Outfit passt, denn auch sie wirkt ziemlich furchteinflößend, vor allem auf die Erwachsenen. Daran werde ich mit Sicherheit noch etwas verändern. Seltsamerweise hatten aber all die kleinen Kinder, die ich befragte, überhaupt keine Angst vor mir. Es waren immer Jugendliche oder Erwachsene, die sich bei meinem Anblick erschraken oder fürchteten. Der erschreckendste Kommentar des Tages war dieser hier: "Da will uns einer abstechen!"  

Ich möchte wirklich kein Moralapostel sein, aber dennoch darf einmal darüber nachgedacht werden, warum denn die Erwachsenen sich vor mir fürchten, während kleine Kinder mir vollkommen angstfrei begegnen.

Alles Liebe
Euer Hugs Bunny