Verschenke Umarmungen an Freunde, Bekannte und Fremde.
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Samstag, 19. Juli 2014

Düsseldorf: Die Antwort ist... "Ja!"

An diesem Wochenende war ich bei meiner Freundin Miriam in Düsseldorf zu Gast. Sie ist vor wenigen Monaten nach ihrem Referendariat in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt gezogen, um dort eine Stelle als Grundschullehrerin anzunehmen. Es war schon eine ganze Weile her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben und deshalb freute ich mich schon sehr auf dieses Wochenende mir ihr.

Noch weitaus länger aber war es her, dass ich das letzte Mal als Hugs Bunny durch die Straßen einer Stadt gestreift bin. Ich hoffte, dass ich an diesem Wochenende endlich wieder einmal ein paar Stunden Zeit finden würde, um als Hase losziehen, die Stadt erkunden und auf meinem Weg so viele Menschen wie möglich umarmen zu können. Also kam es, dass ich am Samstag Mittag in Miris Wohnung in mein Hasenkostüm schlüpfte. Ein, zwei Erinnerungsfotos später verabschiedete sie mich in ihrer motivierenden Art mit den Worten: "Du bist der Held des Tages!" Nun gut, wie ein Held fühle ich mich nicht wirklich, aber es bereitet mir großen Spaß, als Hase verkleidet den Menschen nicht nur ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sondern sie vielleicht auch noch zum Nachdenken anzuregen.

Auf meinem Weg vom Düsseldorfer Stadtteil Bilk in Richtung Medienhafen begegnete ich bereits den ersten beiden, sehr fröhlich gestimmten Herren, die mich umarmen wollten. Diese beiden redeten fast ohne Unterbrechung und ließen mich ob ihrer ausgelassenen Stimmung kaum zu Wort kommen. Ein Grund für ihre gute Laune war sicherlich auch der pralle Sonnenschein, der mich, ein wenig zu meinem Leidwesen, den ganzen Tag begleiten sollte. Aber dazu später mehr.

Meine Begegnung mit diesen beiden war auf jeden Fall sehr erheiternd und einer von vielen Gründen, aus denen ich unterwegs bin. Apropos Gründe: Immer wieder werde ich auf meinen Streifzügen gefragt, warum ich denn ein Hasenkostüm trage und was ich wohl damit bezwecken würde. Ehrlich gesagt kenne ich die Antwort darauf selbst nicht immer so genau bzw. kenne ich sie zwar schon, aber dennoch gelingt es mir nicht jedes Mal auf's Neue, sie treffend in Worte zu verpacken. Und wenn ich dann die Antwort wieder einmal nicht kenne bzw. zu gemütlich bin, sie bis ins Detail auszuformulieren, dann sage ich einfach nur: "Ja!"

Oder anders formuliert: "Warum sollte ich nicht?" Warum sollte ich nicht in einem Hasenkostüm herumlaufen? Was gäbe es denn für Gründe, die gegen einen Hasen sprechen, der Menschen umarmt, egal ob Mann oder Frau, ob arm oder reich, ob weiß oder schwarz oder gelb oder blau? Was spräche gegen einen solchen Hasen? Vielleicht unsere Vernunft? Wollen wir Menschen denn wirklich immer und überall vernünftig sein und nur die Dinge tun, die man von uns erwartet? Oder besser noch: Die Dinge, die wir annehmen, dass man sie von uns erwartet? Wohl eher nicht. Wer möchte denn ein solches Leben führen? Ich wage zu behaupten: Kaum einer bis niemand.

Was also gäbe es da noch für Grunde, die gegen einen Umarmungshasen sprechen? Vielleicht, dass ich mich in diesem Kostüm total lächerlich machen könnte? Hmm. Gibt es Menschen, die sich über mich lustig machen? Sehr gut möglich, dass es sie gibt, aber auch das zählt für mich nicht wirklich als ein Argument, denn für mich ist es ok, wenn andere Menschen sich über mich amüsieren. Und es ist nicht nur ok. "Ja!" Ich möchte es sogar. Ich wünsche mir, dass die Menschen in meiner Gegenwart einen Grund zum Lachen oder wenigstens zum Lächeln haben. Ob sie mich dabei als einen "Verrückten" abstempeln und mich mitleidig belächeln oder ob sie einfach nur so vor sich hin lächeln, weil da ein flauschiger Hase in der Gegend herumläuft, das macht für mich keinen großen Unterschied. Die Hauptsache ist doch, dass sie nach der Begegnung mit mir irgendwie fröhlicher drauf sind als sie es vorher waren. Und meine Erfahrung sagt mir, dass mir das immer wieder gelingt... irgendwie... und sei es nur für den einen Moment.

So auch bei William aus Holland, der auf mich zukam, als ich gerade am Rand des Hafenbeckens stand und die Schiffe beobachtete. Er sprach mich an und wollte gern ein Foto mit mir. Auf diesem Bild sieht man auch sehr schön die kleine Handtasche, für die ich mich hiermit noch einmal bei Miriam bedanken möchte. An meinem Kostüm ist nämlich keine einzige Tasche, Lasche oder Ritze vorhanden und bei der Hitze war es schon sehr ratsam, eine kleine Flasche mit Wasser dabei zu haben.

Die Sonne war wirklich unerbittlich mit mir. Folgerichtig war die meist gestellte Frage dieses Tages dann auch: "Ist das nicht ein bisschen warm unter deinem Kostüm?" Alternativ fragten die Leute aber auch: "Ist das nicht ein bisschen heiß unter deinem Kostüm?" Meine Antwort war auch hier oft nur ein "Ja!" Manchmal variierte ich meine Antwort äußerst eloquent in: "Ein bisschen.", oder auch leicht scherzhaft in: "Für die Liebe muss man eben bereit sein zu leiden." :-)

Ja, es war ziemlich heiß unter meinem Kostüm. Gefühlte 50°. Mindestens. Also auf jeden Fall oben herum, dort wo das T-Shirt mit dem großen roten Herzen sitzt. Der obere Teil des Kostüms war weit weniger luftdurchlässig als der untere Teil, bei dem ich zum Glück die weise Entscheidung getroffen hatte, die Jeanshose, die ich bei den vorherigen Streifzügen drunter getragen hatte, dieses Mal wegzulassen. Aber keine Angst, meine Unterhose habe ich natürlich anbehalten. Am Ende des Tages war es so, dass das weiße T-Shirt, das ich glücklicherweise zusätzlich unter dem Kostüm trug, dermaßen durchnässt war, dass ich locker als einer der Teilnehmer des IRONMAN auf Hawaii hätte durchgehen können. Dieses Shirt wog am Ende meines Ausflugs sicherlich das Doppelte bis Dreifache seines üblichen Gewichts.

Aber weg von den unangenehmen und wieder hin zu den angenehmen Themen dieses Tages. Wie ich dann also in der Gluthitze des Samstags die Rheinpromenade entlang schlenderte, begegnete ich unzähligen Menschen, die mich mal mit und mal ohne Foto gerne umarmen wollten.  So mancher Jungeselle feierte an diesem Tag seinen Abschied auf der nahen Partymeile - den sogenannten Kasematten. So auch dieser junge Mann unter dem Strohhut sowie sein Freund oben links auf dem Bild. Andere Menschen waren nicht ganz so offensiv unterwegs wie diese beiden Junggesellen. Sie schielten oft nur schräg zu mir herüber und wunderten sich im Stillen über den merkwürdigen Hasen, was für mich in Ordnung ist. Ich möchte nur die Menschen umarmen, die auch umarmt werden wollen.

Bei den Getränkeständen angelangt stieß ich auf eine bunt gemischte und recht lautstark feiernde Truppe von Jungs und Mädels aus dem bayrischen Raum, genauer gesagt aus München-Unterhaching und vom Starnberger See. Einige von ihnen, und da vor allem die Männer, waren in ihren traditionell bayrischen Trachten unterwegs und betranken sich ebenso traditionell bayrisch mit Weizen, Pils und allem was sie sonst noch so an alkoholhaltigen Getränken in ihre Finger bekamen. So wurde ich denn herzlich willkommen geheißen, mitzutrinken und mitzufeiern. Ich ließ mich in der fröhlichen Runde am Tisch nieder und nahm zum ersten Mal seit dem Verlassen der Wohnung meine rosafarbene Maske ab. Ich bemerkte erst jetzt, wie nass meine Haare waren. Es fühlte sich gut an, bei der Hitze mal wieder ein wenig Luft an mein Gesicht und meinen Kopf zu lassen.

Ich ließ mich überreden, mit einem kleinen Schnaps auf das Wohl aller anzustoßen und durfte auf's Neue meine Geschichte erzählen und warum ich denn als Hase verkleidet die Rheinpromenade entlang spaziere. Ich gab vor der ganzen Truppe wirklich mein Bestes, aber ich glaube bei diesem um die frühe Nachmittagszeit bereits vorherrschenden Alkoholpegel und bei der prallen Sonne, die sicherlich ihr Übriges zur Ausgelassenheit der Runde am Tisch beitrug, hätte es wahrscheinlich auch vollkommen genügt, hätte ich einfach nur gesagt: "Ja!"

Während ich da so saß und mir lauthals mitgeteilt wurde, dass dieser Tisch ein "Antialkoholiker-Tisch" sei (ein Scherz, den ich bis heute nicht verstanden habe), ließ ich mich dann doch noch breitschlagen, ein weiteres alkoholisches Getränk auf's Haus zu bestellen. Da ich aber den Düsseldorfern nicht als angetrunkener Hase mit Alkoholfahne in Erinnerung bleiben wollte, bestellte ich zur besonderen Zufriedenheit aller am Tisch eine große Whiskey-Cola... ohne Whiskey. Während ich diese trank, unterhielt ich mich sehr angenehm mit einer jungen Frau, die mir nach einer kurzen Aufwärmphase quasi ihre kompletten Zukunftspläne der nächsten 5-10 Jahre verriet. Ich habe deinen Namen leider vergessen, schöne Frau, aber ich wünsche dir von Herzen, dass deine Träume und Pläne in Erfüllung gehen mögen. Zu richtigen Fotos bin ich an diesem Tisch leider nicht gekommen, zu groß war das drunter und drüber, aber es war eine Riesen-Gaudi, wie man in Bayern so schön sagt, die mir - auch dank dieser Zeilen hier - sicher noch lange im Gedächtnis erhalten bleiben wird.

Seit meinem Aufbruch aus Miris Wohnung waren nun gerade einmal drei Stunden vergangen, und doch war der Weg durch die Wärme bis hierhin ziemlich anstrengend gewesen. Auch wusste ich, dass Miri zuhause auf mich wartete, weil wir den Abend noch gemeinsam verbringen wollten. Also machte ich mich auf den Weg zurück, wo ich dieser netten jungen Dame begegnete. Wir unterhielten uns kurz und dann schenkte sie mir eine winzig kleine Tube Hautcreme. Ich fragte sie nicht nach dem Warum oder Wofür, obwohl ich doch ganz augenscheinlich über meiner Haut ein ziemlich dickes Fell trage. Manche Dinge wollte ich bei dieser Hitze offensichtlich einfach nicht mehr hinterfragen.

Kurz vor dem Medienhafen traf ich schlussendlich auf diese Gruppe rund um einen Gast aus Down-Under. Das waren dann auch die letzten Menschen, die ich an diesem Tag als Hugs Bunny in Düsseldorf umarmen durfte, bevor ich schnurstracks auf geradem Wege Richtung Heimat hoppelte. Meine Beine waren schon ziemlich müde und ich wollte ehrlich gesagt auch einfach nur noch nach Hause, unter die Dusche und ein wenig ausruhen, bevor es mit dem Abend fröhlich weitergehen sollte. Dieser Tag war jedenfalls wieder einmal zu einem wunderbaren Ereignis geworden und ich habe mir vorgenommen, zukünftig noch ein wenig öfter als Hugs Bunny in Erscheinung zu treten; je nachdem wie meine Zeit es mir erlaubt.

Und wenn man mich dann auf meiner Tour durch die Stadt wieder fragen sollte, wie ich dazu komme oder warum ich das tue oder ob das nicht ein bisschen warm ist unter meinem Hasenkostüm, dann werde ich eine präzise und vollständige Antwort vielleicht nicht immer geben können. Vielleicht werde ich dann manchmal wieder nur mit einem "Ja!" antworten. Aber wenn man mich einmal fragen würde, ob ich denn glücklich bin mit dem was ich da tue, wenn man mich fragen würde, ob ich trotz all der Wärme unter meinem dicken Fell ein glücklicher Hase bin, dann werde ich mit Sicherheit genau dasselbe antworten...

Ja, ich bin ein glücklicher Hase. Die Antwort ist... "Ja!"

Alles Liebe!
Euer Hugs Bunny